Nicht nur ein Silvestermärchen:
Der Knallfroschkönig
(ganz frei nach den Gebrüdern Grimm von Holger Banse)
Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin. Die lebte bei ihrem Vater, dem König, auf einem Schloß. Als eines Tages die Prinzessin mit ihrem Lieblingsspielzeug, einer kleinen Kugel aus purem Gold, dem Weihnachtsgeschenk des Papa, im Schloßgarten spielte, da passierte es. Das Lieblingsspielzeug, die kleine, goldige Kugel fiel in den tiefen Brunnen des Schlosses. Die Prinzessin bekam einen großen Schreck. Bitterlich begann sie zu weinen, - die Goldkugel war ihr ja soviel wert. Ihr Schluchzen war im ganzen Schlossgarten zu hören, auch tief unten im Brunnen, wo der Knallfroschkönig zu Hause war. Es jammerte ihn, die wunderschöne Königstochter, die er heimlich, im Innersten seines kleinen Knallfroschherzens, liebte, so jämmerlich weinen zu hören. Kurz entschlossen sprang er nach oben auf die Brunnenmauer, direkt dorthin, wo die schöne Prinzessin saß.
Guten Tag, Prinzessin, was weinst du so, fragte der kleine grüne Knallfroschkönig.
Ach, sagte die Prinzessin ganz traurig, meine kleine Goldkugel ist mir soeben in den Brunnen gefallen. Ich liebe diese Goldkugel mehr als mein Leben. Und nun ist sie fort.
Ach, sagte nun überrascht der Knallfrosch, das war deine Goldkugel, die eben beinahe meinen stramm geschnürten Leib aufgebrochen hätte. Du brauchst nicht traurig sein, meine Prinzessin, fuhr der Knallfrosch fort, ich hole dir deine Goldkugel schon wieder aus dem Brunnen.
Das ist ja wunderbar, kleiner Knallfrosch, da freue ich mich aber, sagte die Prinzessin, dafür darfst du dir dann auch etwas ganz Besonderes wünschen.
Au fein, sagte der Knallfroschkönig, dann wünsche ich mir, daß ich fortan dein Spielgefährte sein darf.
So ganz recht war der Wunsch des Knallfroschkönigs der Prinzessin nicht, aber die Goldkugel war ihr so wichtig. daß sie auf seinen Wunsch einging. Der Frosch sprang in den Brunnen, fischte die goldige Kugel heraus und gab sie der Prinzessin. Die war überglücklich und lief zurück ins Schloß.
Am Abend saßen sie und ihr Vater, der König, beim Abendessen. Sie erzählte vom Tage, als plötzlich die Türe aufgestoßen wurde. Und mit einem gewaltigen Satz sprang der Knallfroschkönig auf den Eßtisch direkt neben die Königstochter und bediente sich aus ihrem Teiler. Entsetzt schrie sie um Hilfe.
Geh weg, Knallfrosch, sonst lasse ich dich knallen.
Nein, sagte der Knallfrosch, um Himmels Willen nicht. Du hast mir versprochen, daß ich dein Spielgefährte sein darf. Und Spielgefährten teilen alles, auch das Essen.
Bitterlich fing die Königstochter an zu weinen.
Der König ließ sich die ganze Geschichte erzählen und gestattete dem Knallfrosch zu bleiben.
Mein liebes Kind, sagte er zu seiner Tochter, du mußt dein Wort halten.
Na warte, du Knallfrosch, sagte die Königstochter, als er ihr ins Schlafgemach gefolgt war, dir werde ich es zeigen.
Sie nahm ein Streichholz, rieb es an, packte den Knallfrosch und ehe er sich versah, brannte seine rote Zunge. Und dann gab es ein gewaltiges Getöse und zum letzten Mal sprang der Knallfrosch unter lautem Knallen und Blitzen durch das Zimmer. Lachend schaute die Prinzessin ihm nach.
Als sich der Qualm verzogen hatte, hörte sie ein Jammern aus der Ecke, in der der Knallfrosch sein Leben ausgehaucht hatte. Ein Winseln war es, ein leises Weinen. Sie schaute nach und entdeckte zu ihrem Entsetzen ein kleines, nacktes, schwarzes Kind, abgemagert bis auf die Knochen, mit einem aufgeblähten Leib. Mit großen, tief liegenden, dunklen Augen schaute es die hübsche Prinzessin an. Dicke Tränen kullerten aus diesen Augen. Der Mund war nur ein wimmernder Strich. Es war kein wunderschöner Prinz, der sie heiraten und mit auf sein Schloß hätte nehmen können. Es war ein kleines verhungerndes Menschenkind, das mit der letzten Kraft, die es noch hatte, schrie.
Und wenn es nicht gestorben ist, dann, weil die Prinzessin sich von ihrer Goldkugel trennte und dem Kinde fortan zu essen gab.
´Wo täglich allein in der 3. Welt 40.000 Kinder sterben, da ist es eine Schnapsidee, Millionen Euro für Silvesterknaller in die Luft zu jagen‘, sagte der Knallfrosch und zersprang vor Wut in der Luft.